Teil 4 | Kostenmanagement

Nebenkosten runter – so gelingt's!

Die Stromkosten sind seit Jahresbeginn rasant gestiegen.
Adobe Stock | Oliver Böhmer
Die Stromkosten sind seit Jahresbeginn rasant gestiegen.

Die Preise explodieren. Und jetzt? Sieben handfeste Experten-Tipps, wie man seine Kosten im Griff behält, präsentieren wir in einer Serie – angefangen mit mehr Veggie-Offerten über Foodwaste-Management bis Storytelling. Hebel 4: Wie Gastro-Profis ihre Nebenkosten optimieren.

Auch steigende Betriebsnebenkosten schmälern den Gewinn zusehends. Vor allem Energie ist zum unberechenbaren Kostentreiber geworden. Seit 2020 klettern die Preise für Strom, Gas und Benzin stetig nach oben; mit Jahresbeginn sind sie regelrecht explodiert. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Seitdem Russland den Gashahn teilweise abdreht, spitzt sich die Lage zu. "Wir müssen uns auf weitere Preissprünge gefasst machen", prognostiziert Christian Eibl, Vertriebsleiter Gemeinschaftsverpflegung Süd bei Transgourmet. Auszuloten, ob sich ein Wechsel des Energieanbieters lohnt, könne ein Anfang sein. Viel wichtiger sei jedoch, den Energieverbrauch auf den Prüfstand zu stellen, Schwachstellen zu lokalisieren und Einsparpotenziale aufzuspüren.

Analyse wichtig

"Voraussetzung dafür ist, dass man weiß, wo der Betrieb eigentlich steht", sagt Heiko Köhler, Fachbereichsleiter Beratung & Konzept bei Transgourmet. Der erste Schritt sollte also eine detaillierte Analyse sein: Wie setzt sich der Verbrauch zusammen? Welche Geräte sind die größten Energiefresser? Wie viele Stunden am Tag sind sie im Betrieb? "Ich empfehle, sich dafür Hilfe von außen zu holen. Jemanden, der die komplette technische Ausstattung und alle damit verbundenen Prozesse durchleuchtet und den Status quo dokumentiert."
„Die betriebliche Energiewende kann nur gelingen, wenn Sie Ihre Mitarbeiter mit ins Boot holen.“
Christian Eibl, Transgourmet
Der Einsatz eines zertifizierten Energieberaters wird überdies staatlich gefördert. Er kann nicht nur beurteilen, ob Geräte noch energieeffizient sind oder eine Neuanschaffung sinnvoll ist. Womöglich bieten sich sogar ein Blockheizkraftwerk oder eine Solaranlage an. Ohne Einbindung in den täglichen Betrieb hat er auch einen unvoreingenommenen Blick auf Prozesse und Rituale, die vielleicht längst obsolet sind. "Zum Beispiel: Ist es wirklich nötig, dass Geräte schon Stunden vor ihrer Nutzung aufgeheizt werden?"
Besser heute als morgen

1. Status quo ermitteln: Wie hoch ist mein Verbrauch? Wie setzt er sich zusammen? Lohnt der Wechsel zu einem anderen Energieanbieter?

2. Analysieren mit externer Hilfe: Welche Geräte sind die größten Energiefresser? Wie viele Stunden am Tag sind sie in Betrieb? Lassen sich Abläufe straffen oder anders organisieren?

3. Team aufklären und sensibilisieren: Wo hakt es bei uns? Was müssen wir anders und besser machen?

4. Konsequent umsetzen: Wie gelingt es, dass alle am gleichen Strang ziehen? Wo braucht es Unterstützung?

Energiespitzen kappen

Eine Energie-Optimierungsanlage ins Energienetz zu integrieren, könne sich ebenfalls lohnen, so Köhler. Damit ließen sich beispielsweise bei Kombidämpfern ohne Temperaturverlust die Energiespitzen kappen. Oder, noch größer gedacht: Kann ich meinen Einkauf, die Anlieferung und Lagerhaltung so optimieren, dass ich vielleicht sogar ein komplettes Kühlhaus weniger benötige? Doch selbst vermeintliche Kleinigkeiten wie Reinigungsrituale können ins Gewicht fallen. Spart Strom und Wasser gleichermaßen: "Wenn man einen 150-Liter-Kessel, in dem zuvor Nudeln gekocht wurden, lediglich mit einem Schlauch ausspritzt, statt ihn noch einmal komplett mit heißem Wasser zu füllen."

Das Team mitnehmen

Nur eins von vielen Beispielen, so Eibl, die verdeutlichten, dass nicht nur die richtigen Hebel entscheidend seien, sondern auch diejenigen, die sie bedienen. "Die betriebliche Energiewende kann nur gelingen, wenn Sie Ihre Mitarbeiter mit ins Boot holen." Aufklären, sensibilisieren und vorleben: Denn um Verhalten zu verändern, muss man nicht nur wissen, wo es hakt, sondern auch, wie es besser läuft. "An welcher Stellschraube Sie dann zuerst drehen, ist letztlich gar nicht so entscheidend. Hauptsache, Sie fangen überhaupt an!"

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