Sucht-Jahresbericht

Die Deutschen trinken zuviel Alkohol

Der Alkoholkonsum ist immer noch zu hoch.
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Der Alkoholkonsum ist immer noch zu hoch.

Beim Alkohol bleibt Deutschland trotz Rückgängen nach wie vor im internationalen Vergleich ein "Hochkonsumland", wie aus dem "Jahrbuch Sucht 2022" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen hervorgeht.

Alkoholkonsum verursacht in Deutschland erhebliche gesundheitliche, soziale und volkswirtschaftliche Probleme. Insgesamt 3 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren hatten im Jahr 2018 in Deutschland eine alkoholbezogene Störung (Alkoholmissbrauch: 1,4 Millionen; Alkoholabhängigkeit: 1,6 Millionen)An den Folgen des Alkoholtrinkens sterben Jahr für Jahr mehrere Zehntausend Menschen bundesweit, betonten Experten in dem veröffentlichten Bericht. Beim Alkohol sei noch viel zu tun - auch wenn es durchaus Fortschritte gebe. Alkohol sei ein Zellgift und könne zu zahlreichen Erkrankungen führen.


Es seien durchaus Fortschritte zu verzeichnen - vor allem im längerfristigen Vergleich: Während 1970 jeder Bundesbürger ab 15 Jahren im Schnitt 14,4 Liter Reinalkohol zu sich genommen hatte, waren es 2019 noch 10,2 Liter. Dennoch: "In Deutschland wird zu viel Alkohol getrunken." Eine Aktionswoche ab 14. Mai soll auf die Risiken hinweisen - mit vielen Veranstaltungen auch im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Spuren der Pandemie

Welche Spuren hinterlässt die anhaltende Pandemie? Corona habe auch die psychische Gesundheit der Bevölkerung stark beeinträchtigt. In Krisen versuchten viele Menschen vermehrt mit Suchtmitteln, ihre Belastungen auszugleichen. Daraus lasse sich allerdings nicht schlussfolgern, dass die Deutschen durch Corona süchtiger geworden seien. Aus Sicht der Suchthilfe seien die pandemiebedingten Härten vor allem für junge Menschen schwierig und verschärften die Lage zudem oftmals für Personen, die schon vorher psychosoziale oder gesundheitliche Probleme hatten. "Prävention, Frühintervention, Beratung, Behandlung und Sucht-Selbsthilfe braucht es daher nun umso mehr, um Suchtgefährdete und Abhängigkeitserkrankte zu unterstützen", mahnte Präventionsreferentin Christine Kreider. Und: "Wir müssen uns mehr denn je um besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen kümmern, beispielsweise Kinder aus Suchtfamilien." 

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