Kommentar

Was uns Mut machen sollte

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Können Sie es noch ertragen, die täglichen schlechten Nachrichten? Auch das Jahr 2023 startet leider wieder mit Bad News. Doch ist wirklich alles so schlecht? Und worauf können Gemeinschaftsgastronomen 2023 bauen? Ein Kommentar von Claudia Zilz, Chefredaktion gvpraxis.

Wir lesen im Minutentakt die Breaking News über Krieg, Klimawandel und Corona-Pandemie und erleben hautnah, was Energiekrise, gestörte Lieferketten und die höchste Inflation seit 70 Jahren im eigenen Business anrichten. Und dann die Personalnot allerorten. Keine Köche, keine Küchenhilfen und keine Kräfte für den Service. Der Arbeitsmarkt scheint leergefegt und jeder fragt sich: Wo sind sie bloß alle geblieben? Auf und davon. Auch die Gäste, die einst in Massen ins Betriebsrestaurant pilgerten, scheinen plötzlich "auf und davon" – zumindest montags und freitags. Mal ehrlich: Es ist zum Verzweifeln, ja zum Haareraufen! Da kommt einem schon mal Hape Kerkeling in den Sinn: "Ich bin dann mal weg".

Was uns Mut machen sollte

Schön wärs! In Gedanken sieht man sich schon pilgernd auf einem Weg jenseits aller Probleme und Sorgen. Doch ist es wirklich zum Verzweifeln? Nein! Viele haben sich neu aufgestellt, ja gehen gestärkt aus der Krise. So gibt es gerade jetzt gute Gründe, mit einer ordentlichen Portion Zuversicht ins neue Jahr zu starten. Was uns Mut machen sollte:

  1. Stell Dir vor, es ist Krise und keiner merkt es. Zugegeben, ein Traum. Aber: Die Gemeinschaftsgastronomie hat gelernt, mit den Krisen umzugehen, ist resilienter, souveräner und widerstandsfähiger geworden denn je. Das macht stark!

  2. Die Corona-Pandemie und der Mangel an Arbeitskräften haben eine Digitalisierungswelle losgebrochen. Fast jeder GV-Profi hat sich aufgemacht, seine digitale Infrastruktur auszubauen, nicht mehr hinterherzurennen, sondern vorauszugehen. Unsere aktuelle Leserumfrage bestätigt das. Das Gute: Die Investitionen zahlen sich über Jahre aus. Schlankere Prozesse, weniger Personal und mehr Kundennähe sparen Zeit, Kosten, Nerven – und spülen mitunter neue Umsätze in die Kassen.

  3. Apropos Umsätze. Nach langer Flaute ziehen die Umsätze in der Gemeinschaftsgastronomie teils wieder deutlich an. Die drei Big Player, die global agierenden Contract Caterer Sodexo, Aramark und Compass Group, haben Rekordergebnisse im zu Ende gegangenen Geschäftsjahr eingefahren. Positive Signale für die gesamte Branche.

  4. Noch nie waren wir so ideenreich und kreativ und haben in so kurzer Zeit so viele neue Geschäftsideen auf den Weg gebracht. Das ist rekordverdächtig! Auch wenn nicht jede Idee zündet, befeuert sie doch die Lust auf mehr Innovationen.

  5. Die Gäste wertschätzen das tägliche Mahl im Betriebsrestaurant mehr denn je. Homeoffice ist schön, täglich selbst kochen irgendwie doof. Gut, dass es die Kantine gibt, denkt sich so mancher Gast – und freut sich schon auf den mittäglichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen.

  6. Geschafft. Wir haben den Höhepunkt der Inflation überschritten. Auch wenn die Preise zunächst auf hohem Niveau verharren, sind sich Ökonomen und Marktforscher einig: Ab der zweiten Jahreshälfte beginnt die allmähliche Talfahrt.

  7. Und wenn es mit den Preisen runtergeht, steigt die Kauflaune. Kurzum: Der stotternde Konjunkturmotor in Europas größter Volkswirtschaft nimmt wieder Fahrt auf.

  8. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Auch wenn Deutschland erneut in der Vorrunde aus der Fußball-WM geflogen ist: Die Europameisterschaft 2024 im eigenen Land gewinnen wir auf jeden Fall. Und wenn doch nicht, dann eben die nächste WM.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen guten Start ins neue Jahr. Bleiben Sie zuversichtlich. Es geht aufwärts!

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