Kommentar

Frust und Verzweiflung

Chefredakteur Burkart Schmid neben dem Titel der gv-praxis Dezember.
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Chefredakteur Burkart Schmid neben dem Titel der gv-praxis Dezember.

Wer so kurz vor Weihnachten auf die Lage im Außer-Haus-Markt blickt, sieht eine Branche zwischen Verzweiflung, Wut und Frust. Während die öffentliche Gastronomie schon jetzt die enormen Umsatzausfälle durch die Zugangsbeschränkungen beklagt, ist die Wintersaison in vielen Hotels mit der Flut an Stornierungen schon vor dem Start gelaufen.

Vielerorts herrscht nackte Existenzangst. Die Gemeinschaftsgastronomie liefert dazu ein ganz unterschiedliches Szenario. Besonders in Catering-Kreisen und in der Eigenregie wächst die Sorge, dass nach relativ guten Herbstmonaten September und Oktober im Businessmarkt der Silberstreif schon wieder verglüht.

Gerade berichteten wir noch über steigende Durchschnitts-Bons und ein positives Nachfrageverhalten für die Betriebsgastronomie, da schlägt der Corona-Hammer schon wieder massiv zu. Nach unseren aktuellen Umfragezahlen war der Bereich Arbeitsplatz im zweiten Corona-Jahr 2021 ohnehin am stärksten von Umsatzeinbußen betroffen. Einzige Ausnahme: das Eventgeschäft, das einen noch heftigeren Absturz erlebte – und weiter erlebt. Auf der Kostenseite konnte durch Kurzarbeit und Personalreduktion gegengesteuert werden. Auch hat sich die Branche mit neuen Lieferformaten und Serviceangeboten geradezu übertroffen.

Alles wieder auf null

Die neuerliche vierte Corona-Welle schafft jetzt unkalkulierbare Umsatzeinbußen durch abgesagte Firmenevents und Weihnachtsfeiern und einen wieder steigenden Homeoffice-Anteil. Die Operative ist wiederholt gefordert. Alles wieder auf null. Denn die bundesweit gültige 3G-Regel in Unternehmen bedeutet neue Rahmenbedingungen rund um den Arbeitsplatz.

Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz können die Bundesländer keine generellen Schließungen von Schulen, Geschäften, Gastronomie oder Sportstätten mehr anordnen. Gut für Schulcaterer. Doch die Lage bleibt volatil. Bei den neuen Regelungen wurde offensichtlich nicht an den Bereich Kantinen und Co gedacht. In einigen Bundesländern sind aktuell bereits 2G-Regeln unterschiedlicher Ausprägung in Kraft, woanders wiederum nicht. Und dann gibt es noch verschiedene Auslegungsspielräume, von Land zu Land, von Kreis zu Kreis. Besonders für bundesweit tätige Dienstleister und Gastronomen eine unübersichtliche und unbefriedigende Situation.

Über die neue gv-praxis

Dezemberausgabe: Unser neues Titelbild setzt ein Ausrufezeichen. Wir berichten über das Bio-Vorzeigeland Dänemark samt Präsentationen zum Staatsbesuch in Berlin, schauen auf die Verwerfungen im Ranking der Hochschulgastronomie und zeigen am Business Case ‚Jederzeit‘ die digitalen Möglichkeiten auf. Und: Exklusiv Interview mit Geschäftsführer Enrico Jensch, der die Helios Kliniken kulinarisch aufwerten will. Reichlich Lernstoff. Jetzt im E-Paper lesen 


Für Heime und Gesundheitseinrichtungen gelten künftig Testpflichten. Für Bedienstete bleibt das Gefahrenpotenzial in den Servicebereichen der Care-Einrichtungen hoch. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Hochrechnungen besagen, dass bei einer erneuten Lockdown-Situation pro Monat 3,5 Mrd. Euro im Gesamtmarkt verlorengingen. Auszuschließen ist solch ein Szenario aufgrund der dramatischen Fallzahlen an Neuinfektionen nicht mehr.

Die Branchenlandschaft verändert sich

So oder so, Corona verändert die Branchenlandschaft. Jüngstes Beispiel: Eine aktuelle Vollerhebung der 57 Studierendenwerke und deren Hochschulgastronomie mit völlig neuen Platzierungen. So landet Berlin (Umsatzverlust: 16 Mio. € /-79,2 %), einst turmhoher gastronomischer Marktführer im Ranking, auf Platz 7, Dresden verliert "nur" 8,6 Mio. Euro Umsatz und erobert erstmals Rang 1. Von solchem Auf und Ab ist der gesamte Gesundheitsmarkt weit entfernt. In der aktuellen Situation gilt er für die gesamte Wertschöpfungskette als halbwegs sicherer Umsatzgarant. Die Einbußen, gemessen am Einkaufsvolumen, lagen schon in den vorherigen Wellen recht stabil zwischen 5 (Seniorenmarkt) und 30 Prozent (Klinikmarkt). Ein schwacher Trost für Produzenten, Hersteller und Handel. Was bleibt, ist für uns alle die Gewissheit, dass wir das Impfproblem schnellstens in den Griff bekommen müssen – andernfalls bleiben wir in einer prekären Dauerschleife gefangen. Die geballte Welle zum Impfaufruf seitens vieler namhafter Unternehmen aus Gastronomie und Catering setzt ein starkes Zeichen der Solidarität.

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