"Unbedingt digitalisieren!" raten Tech-Experten Gastronomen

Die Expertenrunde beim Digital Talk im Anschluss an den Launch der "Gastro TechMap"
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Beim Digital Talk zu digitalen Lösungen in der Gastro geht es um Bier vom Roboter, Hochregallager im Hofbräuhaus und Künstliche Intelligenz in der Küche. Im Anschluss an den Launch der „Gastro TechMap“ am 22.11.2022 diskutieren Experten über Sinn und Unsinn digitaler Helfer in der Gastronomie.

Am Ende war sich die Diskussionsrunde einig: „Volle Zustimmung“ aller Teilnehmer dafür, dass der Digitalisierungsgrad in der Gastro-Branche steigen muss, aber auch steigen wird. „Digitale Tools und Lösungen können inzwischen die gesamte Wertschöpfungskette in der Gastronomie abdecken“, so Marc Mangold beim Digital Talk „Gastro TechMap“ am 22. November. „Die größte Herausforderung wird sein, Gastronomen vom Mehrwert einer technischen Lösung zu überzeugen“, schätzt der Chief Sales Officer von Hospitality Digital, einer Tochter der Metro AG.

Wie umfangreich das Angebot digitaler Lösungen ist, zeigt die zuvor frisch gelaunchte Gastro TechMap eindrucksvoll. Mehr als 300 Lösungen und Firmen präsentieren die Hotel- und Gastromedien des dfv im Rahmen der Online-Veranstaltung. Das Tool macht auf einen Blick deutlich, welche Innovationsbereiche existieren und wer die Anbieter sind. Und zwar für die internen Prozesse genauso wie für das Gästeerlebnis in der Gastronomie.

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Die Gastro TechMap ist ab sofort online. Wer sich kurz registriert, erhält direkt Zugriff auf die TechMap zum Download.

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„In vielen Bereichen wird es nicht mehr ohne Digitalisierung gehen“, prognostiziert Stefan Schlossnagel. „Aber meiner Meinung nach besteht in der Gastronomie ein großer Nachholbedarf.“  Als Positiv-Beispiel für gelungen eingebundene Digitalisierungsprozesse im Betrieb führt er das Hofbräuhaus in München an. „Dort läuft der gesamte Back of House-Bereich digitalisiert, ohne dass die urige Atmosphäre im Gasthaus in irgendeiner Form beeinträchtigt wird“, so der Chief Commercial Officer bei Sides. Ob es sich um die Verknüpfung zwischen Kochstation und Kassensystem handele, dem vollautomatisierten Hochregallager oder digitaler Unterstützung in der Küche. Dem ewig angeführten Argument, zu viel Digitalisierung sei für das „People’s Business“ Gastronomie tendenziell eher schädlich, widerspricht Schlossnagel damit entschieden.

Stefan Schlossnagel Sides
In vielen Bereichen wird es nicht mehr ohne Digitalisierung gehen.
Stefan Schlossnagel, CCO bei Sides

Dem pflichtet Florian Berr bei: „Gerade in Zeiten vorherrschenden Personalmangels besteht viel Potenzial, mithilfe von digitalen Tools die Back Office-Prozesse effizienter zu gestalten“, so der Vice President für die DACH-Region bei Planday, einem Unternehmen, das die Zeiterfassung der Mitarbeiter automatisiert. „Dass ein Dienstplan auf Papier in der Küche nicht unbedingt zeitgemäß ist, liegt ja auf der Hand.“ Die weiterhin in vielen Gastronomiebetrieben vorherrschende „Zettelwirtschaft“ kritisiert auch Sascha de Clerque deutlich. „Gerade der Back Office-Bereich wurde viel zu lange stiefmütterlich behandelt. Das muss sich deutlich verbessern“, findet der Geschäftsführer bei allinvos, der mit seinem Unternehmen Kunden dabei unterstützt, sämtliche Prozesse auf digitalem Weg zu vereinfachen – vom webbasierten Bestellmanagement über Vertragsgestaltung und Reporting bis hin zur Online-Zahlungsabwicklung.

Digital Talk im Video: So funktioniert die Gastro TechMap

Dass man „Technik nicht nur um der Technik Willen“ einsetzen solle, ist das Credo von Konstatin Köhler-Freese, Leiter des Bereichs eCommerce beim Service-Bund. Er gab den über 700 angemeldeten und mehr als 400 live zugeschalteten Zuschauern mit auf den Weg, den Digitalisierungsbedarf im eigenen Betrieb genau zu prüfen, um den Nutzen besser abschätzen zu können. „Klar: Lieber ein Bier vom Roboter als gar kein Bier, aber grundsätzlich muss der Einsatz von Technologie schon Sinn machen.“ Das sieht auch Stefan Schlossnagel so: „Man muss zunächst einmal feststellen, wo die eigenen Problembereiche liegen. Ist es die Warenwirtschaft? Die Lagerwirtschaft? Wenn es einen Bedarf gibt, kann man prüfen, ob es eine entsprechende Technologie gibt, die von Nutzen sein könnte.“ Schlossnagel bietet mit Sides in den Bereichen Bestell-Management, Payment oder Marketing digitale Tools für das Delivery-Geschäft. „Dieser Bereich ist in puncto Digitalisierung naturgemäß einen Schritt weiter. Hier lohnt ein genauerer Blick auf deren Prozesse und Lösungen.“

Konstantin Köhler-Freese Service-Bund
Lieber ein Bier vom Roboter als gar kein Bier.
Konstatin Köhler-Freese, Leiter eCommerce beim Service-Bund

Marc Mangold erklärt, dass es mitunter schlicht notwendig ist, digitale Helfer einzusetzen. „Klar kann man einer grundsätzlichen Digitalisierung kritisch gegenüberstehen, aber es kann ja nicht sein, dass Bedienungen keine Zeit haben, regelmäßig an die Tische zu gehen, oder dass Bestellungen nicht stimmen. Wenn in der Gastronomie wegen Personalmangel und einer Flut an Aufgaben keine Zeit für die Gäste da ist, sind digitale Helfer ein Muss!“ Mangold bietet mit Hospitality Digital unter der Marke „Dish by Metro“ genau solche digitalen Helfer (z.B. Erstellung von Restaurant-Websites, Online-Reservierung oder -Bestellung) an und empfiehlt einen Blick ins Ausland: „In Ländern wie Dänemark oder Großbritannien ist der Digitalisierungsgrad wesentlich höher als hier und das Gästeerlebnis leidet auf keinen Fall darunter.“

Marc Mangold Metro AG
Solange eine Technologie das Gästeerlebnis nicht trübt, sondern beflügelt, sollte sie unbedingt eingesetzt werden.
Marc Mangold, Chief Sales Officer bei Hospitality Digital

Den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) sehen die Experten mit gemischten Gefühlen. „Dazu fehlt leider viel zu oft die Datenqualität“, warnt de Clerque. Damit eine KI ihren Zweck erfüllt, muss sie permanent mit vielen, korrekten Daten gespeist werden. Passiert das nicht, ist das Ergebnis ernüchternd. Oder wie es Köhler-Freese nennt: „Shit-In – Shit-Out“.

Florian Berr Planday
Dass ein Dienstplan auf Papier in der Küche nicht unbedingt zeitgemäß ist, liegt ja auf der Hand.
Florian Berr, Vice President DACH bei Planday

Grundsätzlich sollten Unternehmen bei Digitalisierungsplänen darauf achten, keine Insellösungen zu schaffen, an offene Schnittstellen zu denken und über die Bereiche EffizienzRessourcen und Kostenoptimierung nachdenken, rät Berr: „Da hat die Pandemie glücklicherweise ein wenig als Digitalisierungsbeschleuniger gewirkt. “ Dennoch gebe es weiter sehr viel Optimierungsbedarf.

Sascha de Clerque Allinvos
KI? Dazu fehlt leider viel zu oft die Datenqualität.
Sascha de Clerque, Geschäftsführer bei allinvos

Die Quintessenz des Talks, auf die sich alle einigen können, fasst schließlich Mangold zusammen: „Solange eine Technologie das Gästeerlebnis nicht trübt, sondern beflügelt, sollte sie unbedingt eingesetzt werden. Wenn das der Fall ist: Unbedingt digitalisieren!“

 

Digital Talk Gastro TechMap
Über 700 Anmeldungen und mehr als 400 live zugeschaltete Zuhörer für den Digital Talk belegen das große Interesse in der Branche an einer Innovations- und Digitalisierung-Übersicht wie sie die TechMap nun bietet. Das Tool verortet nicht weniger als 303 Technologie-Lösungen bzw. Unternehmen anhand gastronomischer Betriebsbereiche auf einer Map. Sie bietet Orientierungshilfe für Gastronomen, zeigt Chancen der Digitalisierung für den eigenen Betrieb auf und dient als Schnittstelle zur Verständigung zwischen Gastronomen und Tech Community.

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