BMEL | Ernährungsstrategie

Beschluss steht. Özdemir: "Gemeinschaftsverpflegung als Hebel nutzen"

Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung, gibt vor dem Bundeskanzleramt ein Statement zur Ernährungsstrategie.
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Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung, gibt vor dem Bundeskanzleramt ein Statement zur Ernährungsstrategie.

Die Bundesregierung hat heute die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vorgelegten Eckpunkte für die Ernährungsstrategie beschlossen. Besonders die Gemeinschaftsverpflegung rückt in den Fokus, um die Leitlinien für die künftige Ernährungsstrategie der Bundesregierung zu bestimmen.

Ziel der Ernährungsstrategie ist es, einen Beitrag zur Transformation des Ernährungssystems zu leisten und die Rahmenbedingungen und Strukturen zu schaffen, dass alle Menschen in Deutschland sich gesund und nachhaltig ernähren können. "Es hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun, wenn hart arbeitende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich darauf verlassen können, in der Kantine gutes Essen zu bekommen. Es sollte selbstverständlich sein, dass Patienten in Krankenhäusern das für ihre Genesung bestmögliche Essen bekommen", sagt Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir bei der Vorstellung des Eckpunktepapiers und fügt hinzu: "Wir tun uns als Gesellschaft einen großen Gefallen, wenn wir unseren Kindern, dem Wertvollsten, was wir haben, in Kita und Schule ein gesundheitsförderndes und abwechslungsreiches Essensangebot machen. Deshalb wollen wir unter anderem die Gemeinschaftsverpflegung als Hebel nutzen, um allen Bürgerinnen und Bürgern die Erfahrung mit guten, leckeren und gesunden Mahlzeiten zu ermöglichen."


Laut Özdemir seien gut zwei Drittel der Männer, ungefähr die Hälfte der Frauen und fast jedes sechste Kind in Deutschland übergewichtig. Er wolle als Minister dafür sorgen, dass es für alle Menschen in Deutschland möglich ist, sich gut und gesund zu ernähren. Und zwar unabhängig von Einkommen, Bildung oder Herkunft. "Wir arbeiten jetzt die Ernährungsstrategie aus, nicht alleine im stillen Kämmerlein, sondern in einem breit angelegten Prozess. Unsere Strategie soll insbesondere Kinder in den Blick nehmen, Menschen aus armutsgefährdeten Haushalten und Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Es geht um Chancen. Es geht um bessere Möglichkeiten für alle", erklärt Özdemir die zentralen Ziele der Strategie:

  • eine stärker pflanzenbetonte Ernährung
  • weitere Reduzierung von Zucker, Fetten und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln
  • effektive Reduzierung der Lebensmittelverschwendung
  • gesündere und nachhaltigere Mahlzeiten in der Gemeinschaftsverpflegung
  • die Einhaltung der Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
  • erhöhter Anteil an saisonal-regional und ökologisch-klimafreundlich erzeugten Lebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung

Die Strategie soll bis Ende 2023 finalisiert und von der Bundesregierung beschlossen werden. Weitere Informationen zur Ernährungsstrategie sowie die beschlossenen Eckpunkte finden Sie hier.

Kritik am Beschluss

Das Bündnis #ErnährungswendeAnpacken begrüßt, dass das Eckpunktepapier der Bundesregierung darauf abzielt, die Ernährungswende umfassend anzugehen, fragt sich jedoch, wie genau die Ziele erreicht werden sollen. Das Bündnis kritisiert, dass es an konkreten, messbaren Zielen und verbindlichen Maßnahmen fehle. Es fehle vor allem eine Aussage zur Finanzierung.

Nina Wolff, Vorsitzende von Slow Food Deutschland betont, dass die Bundesregierung mit ihrer Ernährungsstrategie einen ersten und wichtigen Pflock für eine gesunde und nachhaltige Ernährungszukunft eingeschlagen hat. Nun aber ginge es um die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit des gesamtgesellschaftlichen Projekts "Ernährungswende". Neben der angemessenen finanziellen Ausstattung, müsse die inhaltliche und zeitliche Präzisierung der wichtigsten Ziele erfolgen. "Eine der ersten Maßnahmen der Strategie sollte sein, einen von Genuss und Verantwortung geprägten Ernährungsstil in der Gesellschaft zu verankern. Denn nur eine Ernährungswende, die Mensch und Planeten schmeckt, kann glücken. Hierbei möchte Slow Food gern unterstützen," so Wolff.

Und auch Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges bezieht zu den gesetzlichen Plänen rund um die "Öko-Quote" im ARD-Morgenmagazin Stellung: "Eine Öko-Quote hilft definitiv nicht, die mit der Ernährungsstrategie verfolgten Ziele zu erreichen. Wer eine Bio-Quote in staatlichen Kantinen fordert, muss auch sagen, wer die dafür anfallenden Mehrkosten bezahlt. Alle bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Mehrzahl der Verbraucher nicht bereit ist, für Bio mehr zu bezahlen."

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