BioBitte | Hannover

Bio-Offensive in Niedersachsens Kantinen, Kitas und Mensen

Extensive Rindermast in Niedersachsen: Fleischrinder, die in Mutterkuhhaltung als Herde auf der Weide bleiben. Die Kälber können länger bei den Müttern bleiben, weil z.B. das Melken entfällt.
IMAGO / Countrypixel
Extensive Rindermast in Niedersachsen: Fleischrinder, die in Mutterkuhhaltung als Herde auf der Weide bleiben. Die Kälber können länger bei den Müttern bleiben, weil z.B. das Melken entfällt.

Eine gemeinsame Initialveranstaltung der Initiative BioBitte, des Umweltzentrums Hannover und der Öko-Modellregion Hameln-Pyrmont stärkte den Dialog zum Bio-Einsatz in den öffentlichen Küchen vor Ort. Rund 40 Engagierte aus der Gemeinschaftsverpflegung der sieben niedersächsischen Öko-Modellregionen informierten sich beim Online-Event, wie mehr Bio in die Töpfe kommt.

Insgesamt sieben Öko-Modellregionen in Niedersachsen verfolgen seit 2020 das Ziel, den Öko-Landbau zu fördern und mehr Bio-Lebensmittel etwa in die öffentlichen Küchen der Städte und Kommunen zu bringen. Anfang Juli nahmen rund 40 Interessierte aus den Öko-Modellregionen Hannover, Goslar, Hameln-Pyrmont, Holzminden, Oldenburg, Uelzen und Hasetal an dem Event in Zusammenarbeit mit dem Umweltzentrum Hannover e. V. und der Öko-Modellregion Hameln-Pyrmont teil.
„Bio, saisonal und regional – das ist der Goldstandard der Außer-Haus-Verpflegung.“
Dirk Adomat, Landrat, Landkreis Hameln-Pyrmont

Angebot und Nachfrage zusammenbringen

Dirk Adomat, Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, betonte: "Kantinen und Mensen, die auf diese Qualität setzen holen die Wertschöpfung zurück in die Region". Deshalb wolle man als Einstieg in eine nachhaltigere kommunale Gemeinschaftsverpflegung den Bio-Anteil in der Schul- und Kitaverpflegung steigern. Heike Hanisch, Geschäftsführerin des Umweltzentrums Hannover, begrüßte das Engagement: "Das Ziel ist, die Menschen entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Bio zu begeistern." Ihr Impulsvortrag verdeutlichte, wie die Öko-Modellregionen durch gute Beziehungen zu Landwirtschaft, Kantinen und Caterern dazu beitragen können, Angebot und Nachfrage in der Region zusammenzuführen.

Wie Schul- und Kitaverpflegung davon profitieren können, schilderte Katharina Koch vom Beratungsunternehmen und BioBitte-Regionalpartner a’verdis. Die Bio-Umstellung belege, wie Kommunen Verantwortung für eine nachhaltige Verpflegung übernehmen. Für den Einstieg seien Kartoffeln, Nudeln oder Hülsenfrüchte sinnvoll, deren Preisabstand zu konventionell erzeugten Produkten gering sei.

Politik in der Pflicht

A’verdis-Geschäftsführer Rainer Roehl zeigte anhand von Ratsbeschlüssen diverser Kommunen auf, wie die Beschaffung ökologisch erzeugter Lebensmittel politisch verankert werden kann. Über einen geeigneten Rechtsrahmen für Bio in Vergabeverfahren informierte der auf nachhaltige Beschaffung spezialisierte Rechtsanwalt André Siedenberg. Er gab hilfreiche Tipps zur einfachen und rechtssicheren Formulierung von Ausschreibungen. Die Leistungsbeschreibung sei hier ein zentraler Bereich, um Bio-Anteile am monetären Wareneinsatz zu fordern. Bio-Quoten oberhalb der Mindestforderung könnten zudem über die Zuschlagskriterien bei der Entscheidung berücksichtigt werden.

Co-Veranstalterin Heike Hanisch blickte zum Abschluss in die Zukunft: "Das Thema Bio kann in den Öko-Modellregionen nur gemeinsam vorangebracht werden. Die Vernetzung der Beteiligten aus den landwirtschaftlichen und verarbeitenden Betrieben, der Politik und Verwaltung sowie den Küchen ist dafür essenziell." Die Veranstaltung habe gute Voraussetzungen geschaffen, um das Bio-Angebot in den öffentlichen Küchen der niedersächsischen Städte und Kommunen auszubauen. "Die BioBitte-Veranstaltung hat hier wichtige Impulse gegeben, die bei den noch jungen Öko-Modellregionen auf fruchtbaren Boden fallen."
Über Niedersachsens Öko-Modellregionen
Seit 2020 arbeiten die Öko-Modellregionen in Niedersachsen mit Unterstützung des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums daran, den regionalen Anteil ökologisch wirtschaftender Betriebe zu erhöhen. Dazu gehört neben der landwirtschaftlichen Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung auch die Gemeinschaftsverpflegung in öffentlichen Einrichtungen. Die Arbeit der Öko-Modellregionen soll kommunal und regionale Strukturen stärken und besser vernetzen. Öko-Modellregionen sind die Stadt Hannover, die Landkreise Goslar, Hameln-Pyrmont, Holzminden und Oldenburg, der Zweckverband Erholungsgebiet Hasetal und die Heideregion Uelzen unter der Leitung der Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Über BioBitte
Die Initiative BioBitte zeigt Politik, Verwaltung, Vergabewesen und Küchenleitungen Wege auf, wie der Bio-Anteil in öffentlichen Küchen erhöht werden kann. Den Einsatz ökologisch erzeugter Produkte in der Außer-Haus-Verpflegung (AHV) voranzutreiben, zählt zu den Zielen der Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZöL) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). BioBitte ist eine Initiative innerhalb des Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL). Sie bietet praxisnahe Infomaterialien und fördert den Erfahrungsaustausch auf Entscheiderebene lokal und überregional. Neben Verantwortlichen in Politik und Verwaltung informiert www.bio-bitte.info Mitarbeitende in Fach- und Vergabereferaten und Küchenleitungen regelmäßig über Wissenswertes und liefert praktische Tipps.

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